Mit der Mannschaft, die die ersten beiden Duelle gegen Ingolstadt souverän gewonnen hatte, traten die Leinestädter am heutigen Dienstagabend zu Spiel 3 gegen die Oberbayern an. Dem Trainergespann Hans Zach & Christian Künast standen weiterhin alle Akteure zur Verfügung, Marvin Krüger blieb als überzähligem Spieler einmal mehr nur der Platz auf der Tribüne. Das Tor der Scorpions hütete selbstverständlich Travis Scott. Bei den Gästen kam trotz der herben Kritik aus den eigenen Reihen erneut Dimitri Pätzold zum Einsatz, DEL-Tortorjäger Thomas Greilinger musste nach seiner Spieldauerdisziplinarstrafe aus Spiel 2 zuschauen.
Die Scorpions starteten nervös, doch auch vom ERC Ingolstadt war in den ersten Minuten wenig zu sehen. Erst als Sascha Goc nach gut vier Minuten auf die Strafbank musste, kamen die Gäste besser in die Partie und erarbeiteten sich eine Reihe Chancen. Prompt fiel auch in diesem Powerplay das 0:1 für die Oberbayern, Joe Motzko war der Torschüsse nach gut fünf gespielten Minuten. Hannover ließ sich dadurch allerdings nicht aus der Ruhe, sondern urplötzlich war alle Nervosität verschwunden und nur 49 Sekunde nach dem 0:1 konnte Klaus Kathan ausgleichen. Auf Vorarbeit von Thomas Dolak und Tore Vikingstad überraschte Kathan Dimitri Pätzold im Tor des ERC mit einem tollen Schuss in den kurzen Winkel. Pätzold verschob bei der Aktion das Tor, doch nach kurzer Studie des Videobeweises gaben die beiden Hauptschiedsrichter Rick Looker und Daniel Piechaczek den Treffer. Die Scorpions waren endgültig in der Partie angekommen und erarbeiteten sich Chance um Chance, einzig das zweite Tor wollte nicht fallen. Ingolstadt enttäuschte dennoch keineswegs und hatte seinerseits einige gute Möglichkeit, das 1:2 sieben Sekunden vor Drittelende fiel allerdings aus einer nicht unbedingt zwingenden Aktion. Carl Corazzini war auf halbrechts plötzlich völlig frei und traf zum für Ingolstadt psychologisch besten Zeitpunkt zur erneuten Führung.
Diesen Vorteil merkte man den Gäste zu Beginn des zweiten Abschnittes deutlich an. Sehr sicher und mit viel Zug nach vorne sorgte das Team von Trainer Greg Thomson immer wieder für Gefahr vor dem Tor von Travis Scott, die Scorpions hatten jedoch auch ihrerseits einige gute Möglichkeiten. Insbesondere bei einem Pfostentreffer von Ben Cottreau nach toller Vorabeit von David Wolf lag das 2:2 in der Luft. Doch als Sachar Blank wegen Halten des Gegners auf die Strafbank musste, schlug Ingolstadts Blueliner Jakub Ficenec zu. Trocken zog Ficenec an der blauen Linie ab und die Scheibe zappelte im Scorpions-Tor. Die Hausherren waren kurzzeitig von der Rolle und das nutzten die Gäste eiskalt aus. Carl Corazzini war nach knapp 30 gespielten Minuten auf und davon, ließ Scott keine Chance und es stand 1:4. Doch die Gastgeber ließen die Köpfe nicht hängen und drängten sofort auf den Anschlusstreffer. Es dauerte allerdings bis zur nächsten Überzahl, ehe Ben Cottreau mit einem tollen Schlagschuss zum 2:4 traf. Die TUI Arena stand Kopf, erst recht als Sascha Goc nur 29 Sekunden später zum 3:4 traf und die Scorpions endgültig zurück in der Partie waren. Weiter spielten nur die Gastgeber, doch es blieb beim knappen Rückstand nach zwei Dritteln, auch weil Ingolstadt die Lücken in der Scorpions-Defensive ob der teilweise sehr offensiven Spielweise nicht ausnutzen konnten.
Die Geschichte des vermeintlich letzten Drittels dieser Partie ist dann schnell erzählt. Ingolstadt zog sich komplett zurück. Angriffe wurde überhaupt nicht bis zum Ende gespielt und mit vier Mann verteidigten die Gäste ihre eigene blaue Linie. Einzig nach einer Strafe gegen Aris Brimanis, der aus der Bedrängung heraus die Scheibe über die Bande spielte und wegen Spielverzögerung auf die Strafbank musste, gab es so etwas wie ein Ingolstädter Powerplay. Die Scorpions taten sich ob der massiven Deckung über weite Strecken des dritten Drittels sehr schwer, sodass die Gäste aus Oberbayern mit ihrer Taktik fast durchgekommen wären. Aber auch nur fast: Mit unbändigem Kampfeswillen brachte Adam Mitchell und Matt Dzieduszycki die Scheibe knapp drei Minuten vor dem Ende vors Tor, Chris Herperger stand goldrichtig und traf aus drei Metern zum umjubelten 4:4-Ausgleich. Dabei blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit, sodass die Overtime über den Sieger entscheiden musste.
Dort hatten die Scorpions noch 99 Sekunden Überzahl und die konnten sie nutzen. Nachdem die erste Minute trotz guter Chancen ohne Torerfolg blieb, verwandelte Sascha Goc die TUI Arena nach genau 61 Minuten und 37 Sekunden in eine Tollhaus. Durch seinen Schlagschuss ins Ingolstädter Gehäuse schoss er die Gastgeber zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte ins Endspiel um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Tickets für das erste Spiel im PO-Finale, das entweder am Dienstag, den 20. oder am Freitag, den 23. April, jeweils ab 19.30 Uhr in der TUI Arena, stattfindet, gibt es ab sofort im Scorpions-Online-Shop.
Hannover Scorpions – ERC Ingolstadt 5:4 (1:2, 2:2, 1:0, 1:0) n.V.
Tore: 0:1 Motzko (Goodall - 05:07 Min. - PP1), 1:1 Kathan (Dolak, Vikingstad - 05:56 Min.), 1:2 Corazzini (Kavanagh - 19:53 Min.), 1:3 Ficenec (Ryan, Motzko - 28:19 Min. - PP1), 1:4 Corazzini (Hambly, Bouck - 29:37 Min.), 2:4 Cottreau (Mitchell, Herperger - 32:23 Min. - PP1), 3:4 S. Goc (Vikingstad, Dolak - 32:52 Min.), 4:4 Herperger (Dzieduszycki, Mitchell - 57:02 Min.), 5:4 S. Goc (Dolak, Vikingstad - 61:37 Min. - PP1)
Strafen: Hannover 10, Ingolstadt 8
Schiedsrichter: Rick Looker / Daniel Piechaczek
Zuschauer: 6.996
Play-off-Stand: 3:0 (Best of 5) à Scorpions stehen im Play-off-Finale
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